Viehdoktor

TiHo Hannover

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Es gibt Traumberufe und solche, die es nicht sind. Tierarzt gehört eindeutig zu Ersterem, zumindest wenn man verschiedenen Serienformaten im Fernsehen glaubt.
Ich hatte mich für Veterinärmedizin an der TiHo Hannover eingeschrieben, ich war zwar etwas älter als meine Kommilitonen aber was soll´s …
… war ich eben ein Spätberufener.
Schließlich wollte ich keine akademische Karriere starten, sondern als Freiberufler eine eigene Praxis und Dackel Fido kurieren.
Ich habe nichts gegen Frauen, wirklich nicht, im Gegenteil sogar aber wenn sie in Rudeln auftreten werden sie zu reißenden Hyänen.
In dem Jahrgang, in den ich mich einschrieb, waren von den zweihundert Mitstudierenden vielleicht zehn männlich.
Wie schon gesagt ich habe nichts gegen Frauen, aber wenn ich vor der Tür eines Prüfers mit meiner Prüfungsgruppe warte würde ich mich doch gern über etwas anderes unterhalten als das Für und Wider von Damenbinden oder Tampons.
Der Studiengang gliedert sich in den ersten naturwissenschaftlichen Abschnitt und den anschließenden klinischen.
Hört sich gut an, aber tatsächlich wird in den vier Jahren die Oberstufenbiologie in Botanik und Zoologie aufgedröselt und man zerreibt sich in vier Semestern Chemie. Dafür weiß man dann nachher, dass Schwefel mit Blei nachgewiesen wird.
Wofür der praktische Tierarzt das auch immer brauchen wird, stellen sollte man diese Frage allerdings nicht.
Zumindest vermittelten Anatomie und Histologie einen Flair des angestrebten Abschlusses, auch wenn der Situs mit einem in der Mitte aufgeschnittenen Pferd eher gruselig war.
Aber das Klinikum kam mit jedem Semester ein wenig näher und ich habe viel gelernt, zum Beispiel, dass es zwischen dem Langzeit- und Kurzzeitgedächtnis noch ein studentisches Gedächtnis gibt, dessen Halbwertszeit genau bis einen Tag nach der Prüfung reicht …
… und mit dem Studenten die meisten Prüfungen bestreiten. Soviel zu den Illusionen der Lehrenden.
vet4Im zweiten Abschnitt, dem Klinikum wurde es nicht viel klinischer als im Ersten, mehr als zwei Drittel drehten sich um Lebensmittelkunde und der größte Teil des Rests fiel auf Fächer der Paraklinik, wie Parasitologie, Bakteriologie, Virologie und so weiter …
… lebende Tiere genossen Seltenheitswert.
Mein persönliches Highlight …
… die Vorlesungen über allgemeine Chirurgie waren gestrichen, Nahttechniken musste man einfach können. Aber auch hier, ein Kapitel meines Lebens, das ich nicht missen möchte.