Sünde – Schandmal

Schandmal

CoverSchandmalebookDer erste Band des düsteren Fantasy Epos über den Heiligen Krieg im Herem …
… teuflisch gut!

Die Babylonier nannten mich Lilītu, die Hebräer לילית …
… und dann kamen die Christen. Sie teilten die Welt in Gut und Böse und eine 1,80 Meter große Frau mit geschwungenen Hörnern, Fledermausflügeln und Hufen wie eine Ziege, die auf dem Schlachtfeld einen todbringenden Klingentanz aufführte, ließ sich für die bigotten Kuttenträger nur schwer mit dem Begriff Gut vereinbaren. So wurde ich zu Lilith, der Verführerin der Nacht.
Aber sie hassten nicht nur mich, sie hassten uns alle …
… alle Dai – die Were, die Zentauren, die Harpyien, die Faune, die Zwerge, das Volk. Einfach jeden im Herem, außer den Mal´ach und den Kriegern der Nacht. Für sie waren wir Dämonen, widerwärtige Abscheulichkeiten, deren bloße Existenz gegen die Ordnung der Natur und ihres Gottes verstieß. Ihr verfluchter Kreuzzug überrannte und brandschatze unsere Welt, den Herem, seit Jahrhunderten …
… und sie hatten mich gefangen genommen.
Dies ist meine Geschichte und die Geschichte des Heiligen Krieges im Herem, dessen letzte Schlacht begann, als die Tür zu meinem Kerker sich nach fünfhundert Jahren wieder öffnete und ein Inquisitor mich “bat” bei der Jagd nach einem Serienmörder zu “helfen”.

 

 

Leseprobe:

Cain Blach, die stolze Feste des Tals der Schatten würde nicht mehr lange standhalten, so viel war klar. Der erste und zweite Wall war überrannt und die Krieger der Nacht und die Armee der Kreuzritter drängten gegen die Zitadelle, noch vor wenigen Tagen hätte ich das für undenkbar gehalten.
Die Feste schmiegte sich in das V-förmige Ende der Lill´iach Schlucht, zu beiden Seiten reckten sich die Felsen der Thorgorin Berge fast senkrecht in die Höhe, sie boten Gegnern keine Chance für einen Angriff über die Flanken und die spiegelglatten Obsidianmauern der Wälle erhoben sich aus einer schmalen kargen Ebene, in der es keinerlei Deckung gab. Man konnte Cain Blach mit einer Handvoll Kämpfer gegen eine erdrückende Übermacht halten …
… für Jahre.
»Solange wir die Feste verteidigen, wird sie nicht fallen«, hatte König Marien vor zwei Tagen gesagt, dann war der Silach Wall gefallen und wenige Stunden später der Horins Wall.
Seither stürmten die verfluchten menschlichen Ritter mit ihren Kreuzbannern an der Seite der Krieger der Nacht gegen Shivan`an, das große Tor der glorreichen Zitadelle.
Ich schlug mit den Flügeln, ließ mich von einer warmen Strömung etwas höher tragen und zog einen weiten Kreis über das Schlachtfeld, unter mir erstreckte sich eine amorph wogende Masse, ein Monster aus tausenden und abertausenden Körpern, Rüstungen, Schilden …
… und Toten – unseren und ihren. Auf endlosen Meilen vor Cain Blach konnte ich keinen Stein und Flecken Erde erkennen, die Ebene glich einer Ameisenstraße aus übereinanderliegenden Leibern, die Lebenden krochen über die Toten, die Gesunden über die Verletzten, die Krieger der Nacht über die Menschen. Obwohl ich selbst einmal ein Mensch gewesen war, fand ich die einen nicht weniger abstoßend als die anderen, die Krieger der Nacht schienen umgeben von einem Fetzen der Finsternis, die sie ausgewürgt hatte, sie trugen sie wie einen Mantel oder Umhang und man konnte ihre Gestalt nicht wirklich erkennen inmitten der wabernden Dunkelheit. Wenn man es doch einmal schaffte, einen Blick auf sie zu erhaschen, waren es verdrehte Kreaturen mit Buckeln und schiefen Schultern, die scheinbar ungelenk auf ungleich langen Gliedern wankten, mit zerschmetterten Körpern, die an vielen Stellen eingedrückt waren und denen man jedes Recht auf Leben absprechen wollte …
… aber sie kämpften und töteten uns.
Die Kreuzritter der Menschen waren das genaue Gegenteil – zumindest äußerlich. Sie strahlten in ihren blank polierten Rüstungen und trugen stolz ihre Lanzen in die Schlacht, an deren Spitzen bunte Wimpel mit Wappen und Kreuzen flatterten. Aber in ihrem Inneren waren sie so verrottet und verdorben wie ihre unheiligen Verbündeten, sie heuchelten Barmherzigkeit und schlugen Kindern die Köpfe ab.
Ich ließ mich von den Winden zurück zur Zitadelle tragen …
… keine Ahnung, ob mich die Angreifer nicht sahen oder einfach ignorierten, weil ich außerhalb der Reichweite ihrer Bögen und Armbrüste war …
… was umgekehrt leider auch hieß, dass sie sich außerhalb der Reichweite meiner Runenklingen befanden. Ich näherte mich dem Shivan`an und glitt in sanften Abwärtsspiralen tiefer, im Hof der Zitadelle versuchten unsere Kampfmagier verzweifelt die magische Barriere des Tores aufrechtzuerhalten. Die Männer und Frauen mit den schlohweißen Haaren standen in einem losen Bogen hinter dem steinernen Torbogen, über dessen Ränder blaue Flammen züngelten. Sie wirkten mit den Händen magische Symbole und verwoben ihre Stimmen in einem nicht enden wollenden Singsang zu einem mächtigen Schutzzauber. Die weiten Gewänder hingen nicht nur scheinbaren wie viel zu weite Lumpen an ihnen …
… als wären sie ausgemergelte Vogelscheuchen, die ein verlassenes Feld bewachten.