Sturmsängerin

Sturmsängerin

CoverGischt3eBookDer dritte Band des maritimen Fantasy Epos über alte Schuld, exotische Versuchung …
… und einen Fisch, der keine kandierten Seegurken mag. .

Sie war Sh´eeba talan aman`Natur, zweite Tochter des Ersten, Sturmsängerin und Beschützerin der großen Aggra und sie trug ein stählernes Halsband, das sie an Karl Dragus und die Menschen kettete.
Das war der Preis, den sie zahlte, um die Existenz ihres Volkes geheim zu halten, sie und die anderen Opfer, die jedes Jahr das Meer verlassen mussten.
Nach ihrer Flucht von Langeney hatte sie es bis zur Aggra geschafft, allerdings würde sie mit dem Halsband kaum in der nam´Valach auftauchen können …
… zumindest nicht, ohne dass der halbe rote Turm wenige Minuten später um die Ecke getrabt kam. Allerdings ist eine Unterwasserstadt auf dem Rücken einer gigantischen Qualle keine Sardinendose und so entwickelt sie einen verzweifelten Plan, der sie in die Tiefen der Unterstadt führt – dem dunklen Herz der Aggra mit den Sklavenquartieren und der Halle der Räder.
Und plötzlich ändert sich alles woran sie immer gelaubt hat …
Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn La´tiffa ihr nicht wieder zurück in ihre Gestalt geholfen hätte – damals als sie den Gesang der Veränderung vergeigt hatte und im Riffpark als Zwergflusspferd gestrandet war.

Leseprobe:

Das Vieh hatte zwar keine Kellerfenster …
… aber der Abfall wurde durch Schächte aus der Unterstadt direkt vor den Mund der Qualle befördert.
Wenn ich durch einen der Schächte schwamm, müsste ich direkt in der Stadt ankommen. Zumindest theoretisch, und falls ich nicht über eine der Patrouillen der Sturmsänger stolperte oder von einem der Nesselfäden gelähmt und gleich mit einem Schwung Müll in ihren Mund gespült wurde.
Der Plan war Wahnsinn …
… aber es war ein Plan!
Die Sturmsänger waren das geringste Problem. Bei jedem Wachwechsel zwischen den Vigiliae gab es erst einen endlosen Bericht an den Teichen der Tiefe, bevor sich die nächste Wache auf den Weg machte. Das waren fünfzehn bis dreißig Minuten, in denen niemand im Wasser war.
Karl hätte die Vier von der Tankstelle gefeuert, aber mein Volk hatte keine Feinde mehr …
… wenn man von den Ingenui absah.
Die nächtlichen Wachen waren ein Relikt aus einer Zeit, in der es noch mehr Große Graue gab und uns die Orcas heftiger bedrängten.
Blieben nur noch die Nesselfäden und das richtige Timing …
… das sollte zu schaffen sein.
Wie spät ist es?
Irgendwann zwischen der Vigilia Prima und Secunda, später bestimmt nicht.
Der Trick war also die Sturmsänger zu beobachten, ohne dass sie mich sahen und im richtigen Augenblick unter die Qualle zu schwimmen.
Sie konnten in ihrer va`Lascha zwar besser sehen als ich und auch ihr Lateralorgan besser einsetzen, aber sie erwarteten heute Nacht mit Sicherheit keinen Besuch von einem Eindringling.
Ich glitt vorsichtig um die Qualle herum und versuchte dabei so gut es ging, im Schutz der Felsen zu bleiben.
Wo sind sie verdammt …
Ich hatte die Aggra zu einem Viertel umrundet, als sich die Schatten von fünf Sturmsängern aus dem Dunkel schälten. Ich presste mich auf den Boden.
Nicht atmen.
Ich konnte sie spüren. Zwei schwammen immer wieder in Zickzacklinien um die Gruppe.
Bestimmt erster Zirkel.
Da waren sie noch voller Begeisterung und die alten Gesänge, in denen sich die Sturmsänger den mörderischen Orcas entgegenstemmten, klangen berauschend heroisch.
Zumindest solange bis Jahr um Jahr nichts passierte …
… aber soweit waren die beiden offensichtlich noch nicht. Für sie war jeder Schatten in der Tiefe noch eine Chance sich zu beweisen. Was ein ausgewachsener Orca mit zwei ersten Zirkeln machen würde, hatten sie auch noch nicht gerafft.
Mit heroisch hätte das nichts zu tun …
… bestenfalls mit Sushi.